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#Wer hat denn hier heute die Aufsicht?

Montagmorgen, 6:35 Uhr

Heute nehme ich den Schleichweg zur Arbeit und meide die großen Hauptstrassen. Der Weg ist ein bißchen länger, aber ich hab weniger Ampeln, weniger Stress, treffe weniger Menschen. Und das Beste am Schleichweg: ich treffe die Wildgänse vom Bramfelder See, auf ihrem morgendlichen Rundgang.

Während ich um die Kurve biege, sehe ich sie schon: eine große Schaar wunderschöner, imposanter braun-gefiederter Geschöpfe. Ich sehe sie durchs Gras watscheln und muss jeden Morgen schmunzeln, hochkonzentriert fixieren sie jedes Fleckchen auf der saftigen, grünen Wiese. Mit Röntgenblick starren sie ins Grün, watscheln, picken, bleiben stehen, watscheln weiter - um dann erneut eifrig den Schnabel ins dichte Gras zu versenken.


 

Es scheint so zu sein, dass vor allem am frühen Morgen eine Menge Insektenvolk in den grünen Wiesen unterwegs ist. Ich zähle neunzehn wundervolle Wildgänse, sie watscheln geschäftig herum, um die besten Leckerbissen für den Tag zu ergattern.

Jeden Morgen freue ich mich insgeheim, wenn hinter mir kein Auto kommt. Dann bleibe ich einfach solange an der Kreuzung stehen,

b i s jemand hinter mir ist. So auch an diesem Morgen. Das verschafft mir Zeit für einen kurzen Talk.

 

An diesem Morgen bemerke ich, dass sich einige der Wildgänse auf dem Grünstreifen ganz nah an der Strasse aufhalten. Ich schicke einer groß gewachsenen Wildgans schnell die Info: „Oh, das  müsst ihr aufpassen! Hier fahren Autos. Wenn ihr zu nah an der Straße seid, riskiert ihr euer Leben!“


 

Sofort wirft eine Wildgans den Kopf hoch, sieht mich durchdringend an. Anscheinend gibt es hier eine Oberaufseher-Gans.

 

Etwas konsterniert antwortet sie: „So. Du meinst, ich weiß das nicht? Wir haben immer eine, die hier Oberaufsicht hat und heute bin das ich! Ich passe auf, das keine von der Wiese abkommt. Ich hab alles im Blick!“

Sie vermittelt mir zusätzlich das Gefühl, das sie die Umgebung auf jegliche Gefahrenquellen scannt - ob diese nun von oben, in Form von Autos, Menschen oder anderen Tieren kommen - die Oberaufseherin hat ihre Augen überall.

 

Zur Unterstreichung wirft sie erneut ihren Kopf hoch und patrouilliert im Stechschritt um die anderen Gänse herum, wie um mir zu zeigen: „Da sieht Du’s: Ich hab alles im Blick!“

 

Für den Fall, dass ihre telepathische Botschaft eventuell nicht bei mir angekommen ist, bedient sie sich mal eben zusätzlich ihrer Körpersprache.

Sicher ist sicher, bei uns Menschen weiß man nie ;)

 

Und die Moral von der Geschicht? 
Wildtiere sind klug und können ziemlich gut auf sich selbst aufpassen!

Trotzdem werde ich nicht aufhören, ein Auge auf jene zu werfen, die durch uns Menschen in ihrem Lebensraum doch stark eingeschränkt werden und oft nicht wissen, welche  Gefahren dies birgt.

 

Die Wildgänse haben mit der Oberaufsicht vorgesorgt - an anderer Stelle ist das vielleicht nicht so.

Danke Euch fürs lesen und wenn ihr ein paar Wildgänse in Straßennähe seht: achtet doch spaßeshalber mal auf jene, die die die Oberaufsicht hat ;-)

Wildgans-Plausch.

Leckerbissen im Gras.

Achtung, Gefahr!

Ich hab alles Blick!

Wildtiere sind Klug und sehr Anpassungsfähig


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Kommentare: 2
  • #1

    Angelika (Samstag, 06 April 2019 10:06)

    Ach Claudi, diese kurze Geschichte erhellt meinen Tag - wunderschön, danke�

  • #2

    Heike Busche (Samstag, 06 April 2019 12:18)

    Liebe Claudi,
    danke, dass Du diesen kleinen Plausch mit uns teilst!
    Dadurch bekomme ich einen ganz anderen Blick, auf die Wildgänse, die mir auf meinen täglichen Spaziergängen begegnen.. Hier, im Naturschutzgebiet sind viele solcher Gruppen Zuhause, manchmal sogar auf dem angrenzenden Feld und ich liebe ihr Geschnatter.

    Liebe Grüße und eine herzliche Umarmung,
    sende ich Dir....