Was eine Spinne zu sagen hat.

Mein Leben lang war ich verrückt nach Tieren. Nach allem, was Fell, Federn, Hufe, Flügel und was auch immer hat. Na gut, Insekten sind jetzt zum kuscheln nicht so gut geeignet - aber zum angucken alle Mal.

 

Einzig mit Spinnen konnte ich mich nie so richtig anfreunden. Sie sind mir irgendwie unheimlich, mit ihren vielen Beinen, ihrer Schnelligkeit. Und mal ehrlich: manche sehen ganz schön gruselig aus. Mit verschlafenen Augen in den Keller zu gehen, um neuen Kaffee zu holen und dabei auf eine kampfbereite, handtellergroße, schwarze Tarantula zu treffen - dazu braucht man echt Nerven.

 

Während der Ausbildung bei Christine gab es auch die Aufgabe, mit einem Tier zu sprechen, das uns nicht so sympathisch ist. Und welches Tier habe ich da wohl genommen? Natürlich. Eine Spinne.

 

Und dieses Spinnengespräch möchte ich Euch nicht vorenthalten - denn es hat meine Einstellung zu diesen Tieren tatsächlich verändert. In diesem Leben werden Spinnen wahrscheinlich nicht mehr zu meinen Lieblingstieren. Ich erschrecke mich immer noch, wenn sich ein langbeiniges Spinnengeschöpf  urplötzlich vor meinen Gesicht abseilt - drehe allerdings nicht mehr völlig durch. Ich habe seit diesem Gespräch so gut wie keine Spinne mehr weggesaugt und auch keine mehr "um die Ecke gebracht", nur weil sie es gewagt hat, in unserem Haus zu sitzen.

 

Ja, ich lebe Inzwischen sogar recht gut mit Kellerspinnen, zumindest mit den Exemplaren, die oben sitzen. Die großen, haarigen Exemplare werden eingesammelt und mit der Bitte hinaus begleitet, sich doch draußen ein Plätzchen zu suchen. Im Glas natürlich! So weit geht die Liebe nicht, das ich sie in meiner Hand transportieren könnte, da wollen wir die Kirche doch mal im Dorf lassen ;)

 

Hier nun aber der Auszug aus besagtem Spinnen-Gespräch.

Überschrift lautete stolz: Ich habe mit einer Spinne gesprochen! So ähnlich wie: Ich habe Wassermelone getragen (alte Insider für die 80er Jahre Kinder unter uns)

1. Fühle die Essenz des Tieres

Die Spinne vermittelt mir das Gefühl: präsente Energie, da sein, einfach sein.

 

2. Was möchtest Du über Dich erzählen?

Die Spinne lässt mich fühlen: Ich bin eine Akrobation! Ich bin eine Kunstlerin! Ich habe

alles im Blick, kann sehr gut sehen. Ich sehe jeden Käfer, jedes Insekt in der

Ecke, und sei der noch so klein. Vor mir kann sich niemand verstecken. Ich

bin sehr schnell. Ich bin fleißig. Ich bin Menschen viel ähnlicher, als Du

denkst. Ich bin fast wie ein Zauberer! Ich kann Leute erschrecken, ich komme

überall hin.

 

3. Was denkst Du über uns Menschen?
Ich wünsche mir, dass ihr mich seht, wie ich wirklich bin. Wäre ich ein Mensch (mit den o.g. Eigenschaften), ihr würdet mich bewundern.

 

Weiter lässt sie mich fühlen, wie wir Menschen für sie (aus ihrer Perspektive) aussehen. Das erinnert mich stark an Gullivers Reisen: aus Sicht einer Spinne haben wir Riiiiesen-Poren und Riiiiesen-Nasen, es sieht nicht besonders schön aus, wir sind eben Riesen.

 

Ich zeige ihr die schwarzen Bodenspinnen, die mir solche Angst einjagen. Als Antwort schickt sie mir das Gefühl: Auf dem Boden habe ich auch Angst. Es gibt von uns verschiedene Arten (optisch). Anscheinend sind ihr die dicken Bodenspinnen auch etwas suspekt ;)

 

4. Hast du Freunde?
Nein, ich bin auf mich gestellt. 

 

Wir plaudern noch ein wenig weiter, es ist weitaus angenehmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Spinne ist ein guter Gesprächspartner. Danke, liebe Christine - ohne Dich hätte ich mich niemals an eine Spinne gewagt.